Die Schweiz gehört zu den zehn Ländern mit den besten Voraussetzungen für den Tourismus. Das zeigt der neue Travel & Tourism Development Index des World Economic Forum, erschienen am 25. September 2026. Rang 9 von 110, einen Platz besser als 2024. Die interessantere Aussage des Berichts steht aber nicht in der Rangliste. Sie steht im Kapitel über Preise – und sie betrifft jedes Hotel, das in den nächsten Monaten über Rabatte nachdenkt.
Das Problem im Hotelalltag
Wenn die Nachfrage nachlässt, greifen viele Häuser zuerst zum Preis. Ein Frühbucherrabatt hier, eine Aktion auf dem Portal dort, ein «Last Minute»-Angebot für die ruhigen Wochen. Das fühlt sich nach Handeln an und bringt kurzfristig Buchungen.
Der Haken: Ein Preiskampf hat keinen Boden. Irgendein Anbieter ist immer günstiger, und wer über den Preis antritt, gewöhnt die eigenen Gäste daran, auf die nächste Aktion zu warten. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter. Lorenzo Pianezzi, Hotelier aus Lugano und Kandidat für die Verbandsleitung von HotellerieSuisse, sagte am 25. September in der htr, Personal-, Energie- und Betriebskosten stiegen unaufhörlich, und die Margen würden trotz Rekordnachfrage von Jahr zu Jahr kleiner.
Was der WEF-Bericht zeigt
Der Index misst nicht, wie beliebt ein Land ist, sondern wie gut die Bedingungen für den Tourismus sind – anhand von 17 Säulen von Infrastruktur über Sicherheit bis Kultur. Die Schweiz erreicht 4,97 von 7 Punkten, 2,8 Prozent mehr als 2024. An der Spitze steht Japan mit 5,27 Punkten.
Die Säule, die sich am schlechtesten entwickelt hat, ist die Preis-Wettbewerbsfähigkeit. Drei Viertel der untersuchten Länder schneiden hier schlechter ab als 2024, der weltweite Durchschnitt sank um 3,1 Prozent. Reisebezogene Preise sind in vielen Ländern stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung. Zimmerpreise in Hotels der Mittelklasse und darüber legten im Schnitt der Länder um 6 Prozent zu. Für Europa hält der Bericht fest, dass Fortschritte bei Infrastruktur und Angebot teilweise durch die sinkende Preis-Wettbewerbsfähigkeit aufgezehrt wurden.
Die Schlussfolgerung des WEF ist deutlich. Unter den fünf Prioritäten, die der Bericht nennt, steht: über den Wert konkurrieren, nicht allein über den Preis. Entscheidend sei nicht, ob ein Reiseziel teuer oder günstig ist, sondern ob Gäste das Gefühl haben, dass Erlebnis und Service den Preis rechtfertigen. Wer das erreichen will, müsse den Wert sichtbar und glaubwürdig machen – durch verlässlichen Service, Gestaltung und Kommunikation.
Wie das aussehen kann, zeigt der Bericht am Beispiel Costa Rica. Das Land liegt bei der Preis-Wettbewerbsfähigkeit nur auf Rang 86. Trotzdem stiegen die durchschnittlichen Ausgaben pro Reise 2025 um rund 15 Prozent auf 1848 US-Dollar, bei kaum mehr Ankünften. Weniger Gäste, die mehr ausgeben, weil sie wissen, wofür.
Was bedeutet das für Ihr Hotel?
Das WEF schreibt für Länder und Destinationen. Die Logik lässt sich aber eins zu eins auf ein einzelnes Haus übertragen.
1. Den Wert zeigen, bevor der Preis erscheint
Auf vielen Hotelwebsites sieht der Gast zuerst den Preis und erst danach, was er dafür bekommt – wenn überhaupt. Drehen Sie die Reihenfolge um. Was ist inbegriffen? Frühstück aus der Region, Wellness, Bergbahnticket, Parkplatz, späte Abreise? Das gehört auf die Zimmerseite und in die Buchungsmaschine, bevor der Betrag auftaucht. Ein Preis ohne Gegenwert wirkt immer zu hoch.
2. Inklusivleistungen statt Rabatte
Ein Rabatt von 15 Prozent senkt den Ertrag jeder Buchung und den wahrgenommenen Wert des Hauses gleich mit. Ein Paket mit Abendessen, Massage oder Ausflug zum gleichen Preis tut das nicht. Es kostet Sie in der Regel weniger als der Rabatt, weil Sie die Leistung zum Einstandspreis erbringen, und es gibt dem Gast einen Grund, direkt zu buchen.
3. Bewertungen als Beleg nutzen
Den Wert behaupten kann jedes Hotel. Glaubwürdig wird er erst durch andere. Zitieren Sie auf Ihrer Website, was Gäste konkret loben, und beantworten Sie Bewertungen sichtbar. Das WEF nennt Reputation und Marke ausdrücklich als zentral, um Wert glaubwürdig zu machen.
4. Segmente suchen, die Wert schätzen
Der Bericht empfiehlt, gezielt Segmente mit höherer Wertschöpfung zu stärken: Geschäftsreisen, Veranstaltungen und Aufenthalte ausserhalb der Hochsaison. Für ein Ferienhotel heisst das: Seminare in der Zwischensaison, Wanderwochen im Herbst, Angebote für Gäste, die Ruhe suchen und dafür bezahlen.
5. Den Wert auch für Maschinen lesbar machen
Immer mehr Gäste lassen sich von Suchmaschinen und KI-Assistenten beraten. Der Bericht beschreibt, wie Deutschland dafür eine gemeinsame, maschinenlesbare Datenbank mit rund 500 000 touristischen Einträgen aufgebaut hat. Für ein Hotel beginnt das kleiner: strukturierte Daten, vollständiges Google-Unternehmensprofil, klare Angaben zu Leistungen. Ein Assistent kann nur empfehlen, was er versteht.
Häufige Fehler
- Bei schwacher Nachfrage zuerst den Preis senken, statt das Angebot besser zu erklären
- Rabatte auf Portalen gewähren, die auf der eigenen Website nicht verfügbar sind
- Inklusivleistungen im Kleingedruckten verstecken statt sie vor dem Preis zu zeigen
- Pakete schnüren, deren Inhalt der Gast nicht selbst wählen würde – ein Wert, den niemand will, ist keiner
- Bewertungen sammeln, aber auf der eigenen Website nicht nutzen
Fazit
Rang 9 im WEF-Index ist ein gutes Zeugnis für die Schweiz als Reiseland. Es ändert aber nichts daran, dass Reisen fast überall teurer wird. Der Bericht zieht daraus eine klare Lehre: Wer nicht der Günstigste sein kann, muss zeigen, warum er seinen Preis wert ist. Für ein Hotel beginnt das nicht an der Rezeption, sondern auf der Website – dort, wo der Gast zum ersten Mal einen Preis sieht und entscheidet, ob er ihn gerechtfertigt findet.
Quellen
- World Economic Forum, 25. September 2026: Travel & Tourism Development Index 2026 (Bericht als PDF: weforum.org)
- Zurich Insurance Group, 25. September 2026: TTDI 2026: Rankings, trends and key findings
- htr hotelrevue: Schweiz gehört im WEF-Tourismus-Index zu den Top 10
- htr hotelrevue: Lorenzo Pianezzi: «Vielleicht ist unser Storytelling nicht mehr gut genug»
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