Warum Destinationen anders ticken müssen als einzelne Hotels
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Eine internationale Studie mit 266 Tourismusorganisationen aus der Schweiz, Frankreich, Österreich und Kanada zeigt es deutlich: Destinationen kämpfen mit einer anderen Art von Sichtbarkeitsproblem als einzelne Hotels. Während ein Hotel seine eigene Website, sein eigenes Google Business Profile und seine eigene Zielgruppe steuert, muss eine Tourismusorganisation gleich mehrere Leistungsträger, Interessen und Datenquellen unter einen Hut bringen – und trotzdem in Google, Social Media und KI-Systemen als eine klare, glaubwürdige Stimme auftreten. Genau hier entscheidet sich, ob Destinationsmarketing 2026 noch funktioniert.
Problem im Hotelalltag
Viele Tourismusorganisationen kopieren Strategien, die eigentlich für einzelne Hotels entwickelt wurden: eine Website optimieren, ein paar Social-Media-Kanäle bespielen, gelegentlich eine Kampagne schalten. Das Problem dabei: Eine Destination hat nicht ein Produkt, sondern hundert – Hotels, Bergbahnen, Restaurants, Erlebnisanbieter. Jeder davon hat eigene Daten, eigene Kanäle und oft eigene Vorstellungen davon, was «gutes Marketing» ist. Ohne gemeinsame Struktur zerfasert die Sichtbarkeit, und am Ende findet man die Destination in der KI-Suche gar nicht mehr – oder nur bruchstückhaft über einzelne Betriebe.
Aktuelles aus Studie / Anlass
Die internationale DMO-Studie 2026 (Teil der Forschungsreihe «Resilient Tourism», durchgeführt von Professor Roland Schegg, Marc K. Peter und Michael Fux) hat 266 Tourismusorganisationen aus vier Ländern befragt und liefert dazu einige zentrale Erkenntnisse:
- Sichtbarkeit bleibt die grösste strategische Herausforderung – doch sie verteilt sich heute auf drei Ebenen: klassisches SEO, soziale Netzwerke und neu die Auffindbarkeit in generativen KI-Systemen (GEO, Generative Engine Optimization).
- Nicht Technologie ist der Engpass, sondern Organisation. Fehlende Kompetenzen, knappe Ressourcen und mangelnde Führung bremsen die digitale Transformation stärker als fehlende Tools.
- Daten werden zur eigentlichen Infrastruktur. Viele Destinationen besitzen zwar Daten zu Betrieben und Gästen, diese liegen aber isoliert vor und sind für KI-Systeme oft nicht nutzbar.
- Grosse und kleine Destinationen entwickeln sich auseinander. Grössere Organisationen investieren deutlich häufiger in Datenplattformen und Automatisierung, kleinere bleiben bei pragmatischen Marketingmassnahmen – die digitale Kluft wächst.
- Die Schweiz setzt den Fokus auf Marketing und operative Verbesserungen, während Frankreich stärker mit generativer KI und GEO experimentiert und Österreich bei Datenplattformen führend ist.
- DMOs müssen sich vom klassischen Werbebüro zum Koordinator eines digitalen Ökosystems entwickeln – wer Daten, Partner, Inhalte und KI sinnvoll verbindet, gewinnt künftig den Sichtbarkeitswettbewerb.
Was bedeutet das für Ihre Destination?
1. Eine Stimme statt hundert Einzelmeinungen
Wenn jeder Betrieb sein eigenes Marketing macht, entstehen widersprüchliche Botschaften und doppelte Arbeit. Eine Destination braucht eine gemeinsame inhaltliche Klammer – Kernthemen, auf die sich alle Partner beziehen können, ohne ihre eigene Identität zu verlieren.
2. Daten bündeln, bevor man in KI investiert
Bevor eine Destination über GEO oder generative KI nachdenkt, muss sie wissen, welche Daten zu Betrieben, Angeboten und Gästen überhaupt vorhanden sind – und ob diese sauber, aktuell und maschinenlesbar sind. Ohne diese Grundlage bleibt jede KI-Strategie Stückwerk.
3. Kleine Betriebe aktiv mitnehmen
Damit die digitale Kluft zwischen grossen und kleinen Leistungsträgern nicht wächst, sollte die Destination kleinere Betriebe gezielt unterstützen – etwa mit gemeinsamen Vorlagen für Google Business Profile, einheitlichen Bildstandards oder einfachen Checklisten für strukturierte Daten.
Konkretes Praxisbeispiel
Ausgangslage: Eine fiktive Bergregion mit rund 40 Mitgliedsbetrieben – vom kleinen Berghotel bis zur grossen Bergbahn – hatte bisher nur eine gemeinsame Website, aber jeder Betrieb pflegte seine Google-Einträge und Social-Media-Kanäle unabhängig. Die Folge: In ChatGPT und Google AI Overviews tauchte die Region kaum auf, weil die Informationen widersprüchlich und unvollständig waren.
Massnahme: Die Tourismusorganisation führte eine gemeinsame Datenbasis für alle Betriebe ein (Öffnungszeiten, Preise, Ausstattung, Anfahrt), definierte einheitliche Formulierungen für Kernangebote und schulte die Leistungsträger im Umgang mit ihrem Google Business Profile.
Ergebnis / Erwartung: Innerhalb weniger Monate stiegen die Erwähnungen der Region in KI-generierten Antworten spürbar an, weil die zugrunde liegenden Informationen erstmals konsistent und strukturiert vorlagen. Einzelne Betriebe berichteten zudem von mehr Anfragen über ihr Google Business Profile.
Häufige Fehler
- Destinationsmarketing wie Einzelhotel-Marketing betreiben – ohne Rücksicht auf die Vielzahl an Leistungsträgern und Datenquellen.
- Kleine Betriebe bei der Digitalisierung allein lassen – dadurch wächst die Lücke zwischen grossen und kleinen Anbietern.
- In KI-Tools investieren, bevor die Datenbasis stimmt – ohne saubere, strukturierte Informationen bringt auch die beste KI-Strategie nichts.
Fazit
Destinationen und einzelne Hotels stehen vor demselben Sichtbarkeitsdruck, aber nicht vor derselben Aufgabe. Wer als Tourismusorganisation weiterhin denkt wie ein einzelner Betrieb, verliert Zeit und Wirkung. Die aktuelle Studie zeigt: Erfolgreiche Destinationen werden künftig zu Koordinatoren eines digitalen Ökosystems – sie verbinden Daten, Partner und Inhalte zu einem stimmigen Ganzen. Das klingt nach viel Arbeit, ist aber machbar, wenn man klein beginnt: mit sauberen Daten, einer gemeinsamen Sprache und dem Willen, alle Betriebe mitzunehmen. Der erste Schritt dazu ist oft einfach die Frage: Wie sichtbar sind wir eigentlich gemeinsam – nicht nur als einzelner Betrieb?
Quellen
- Schegg, R., Peter, M. K., Fux, M.: «Digitale Transformation von Destination Management Organisationen (DMOs) – Internationale Studie 2026 (Teil 2)», Forschungsreihe «Resilient Tourism». Zusammenfassung publiziert auf Hotel Inside: https://hotelinside.ch/von-seo-zu-ki-wie-destinationen-ihre-zukunft-neu-organisieren-muessen/

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