Saisonale Kampagnen richtig timen: Was Buchungsdaten 2026 über Vorlaufzeiten verraten
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Wer seine Sommer- oder Wintersaison-Kampagne noch nach dem Gefühl vom letzten Jahr timt, verschenkt Budget. Aktuelle globale Buchungsdaten zeigen: Gäste entscheiden sich heute deutlich kurzfristiger als noch vor drei Jahren – gleichzeitig recherchieren sie länger und intensiver, bevor sie buchen. Für Hotels bedeutet das: Der richtige Zeitpunkt für eine Kampagne verschiebt sich, und wer diese Verschiebung ignoriert, erreicht Gäste zur falschen Zeit.
Problem im Hotelalltag
Viele Hotels planen ihre saisonalen Kampagnen nach einem festen Kalender: Winterkampagne im Oktober, Sommerkampagne im März. Das war lange sinnvoll, weil Gäste entsprechend früh buchten. Heute recherchieren Gäste zwar weiterhin früh und ausgiebig, der eigentliche Buchungsabschluss verschiebt sich aber immer näher an den Anreisetermin heran. Wer nur auf den «klassischen» Vorlauf setzt, verpasst damit einen wachsenden Teil der Nachfrage – jene Gäste, die kurzfristig, aber gut informiert buchen.
Aktuelles aus Studie / Anlass
Der aktuelle globale Buchungsdaten-Report von Lighthouse (Analyse von Milliarden Such- und Buchungsdaten zwischen 2023 und 2025) zeigt einen klaren, über mehrere Jahre anhaltenden Trend:
- Die Vorlaufzeit für Hotelbuchungen sinkt spürbar. Weltweit stieg der Anteil an Suchanfragen innerhalb von 28 Tagen vor der Anreise von Anfang 2023 bis Ende 2025 um 9 Prozentpunkte auf 38 Prozent aller Suchanfragen.
- Gleichzeitig sinkt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer. Der Anteil an Ein-Nacht-Aufenthalten in Suchanfragen stieg im gleichen Zeitraum weltweit um 9 Prozentpunkte, während längere Aufenthalte (8–14 Nächte) leicht zurückgingen.
- Europa zeigt eine der stärksten Verschiebungen bei den Vorlaufzeiten. Kurzfristige Suchanfragen (innerhalb 28 Tage) stiegen in Europa besonders deutlich an – ein Zeichen dafür, dass sich auch europäische Gäste zunehmend spontan entscheiden.
- Trotz kürzerer Vorlaufzeit steigt das Suchvolumen insgesamt. Gäste recherchieren also nicht weniger, sondern länger und intensiver – sie treffen die endgültige Buchungsentscheidung aber später.
- KI-gestützte Recherche beschleunigt diesen Trend. Ein wachsender Anteil der Reisenden nutzt KI-Tools zur Recherche von Unterkünften, was schnellere, spätere Buchungsentscheidungen mit mehr Vertrauen ermöglicht.
- Demografische Veränderungen verstärken den Effekt. Mehr kinderlose Haushalte und eine wachsende Zahl reisefreudiger Pensionierter sorgen für mehr Flexibilität bei der Reiseplanung – klassische Ferienzeiten verlieren an Bedeutung.
Was bedeutet das für Ihr Hotel?
1. Kampagnen zweistufig denken: Inspiration früh, Buchungsanreiz spät
Planen Sie Ihre Sichtbarkeit für die Inspirationsphase deutlich früher als früher – etwa über Content, Social Media und Google Business Profile. Den eigentlichen Buchungsanreiz (Angebote, Verfügbarkeitshinweise, Preisalarme) setzen Sie bewusst näher an die Saison, wenn die Kurzfrist-Entscheidung fällt.
2. Freie Kapazitäten gezielt sichtbar machen
Die Buchungsmaschine zeigt Preise und Verfügbarkeiten zwar in Echtzeit an – das reicht aber nicht, wenn diese Information nirgends aktiv beworben wird. Heben Sie kurzfristig freie Zimmer gezielt auf der Startseite, in Newslettern oder in Social-Media-Anzeigen hervor, damit spät entscheidende Gäste sie überhaupt finden.
3. Ein-Nacht- und Kurzaufenthalte gezielt bewerben
Da Kurzaufenthalte weltweit zunehmen, lohnt es sich, eigene Angebote für ein bis zwei Nächte zu entwickeln – etwa für Wochenendausflüge oder spontane Kurztrips – statt nur auf klassische Wochenpakete zu setzen.
Konkretes Praxisbeispiel
Ausgangslage: Ein fiktives Ferienhotel in einem Bündner Bergdorf hatte seine Winterkampagne bisher stets im September gestartet und danach kaum mehr nachjustiert. In den letzten zwei Saisons blieben die Zimmer in den letzten vier Wochen vor Weihnachten regelmässig unterausgelastet, obwohl die Website in dieser Zeit deutlich mehr Besucher verzeichnete.
Massnahme: Das Hotel ergänzte die frühe Inspirationskampagne um eine zweite, kurzfristige Kampagnenwelle, die erst vier Wochen vor dem jeweiligen Zieldatum startete – mit Fokus auf spontane Kurzaufenthalte und gezielt beworbene freie Kapazitäten aus der Buchungsmaschine.
Ergebnis / Erwartung: Die Auslastung in der kurzfristigen Buchungsphase soll dadurch spürbar steigen, weil das Hotel genau in dem Fenster sichtbar bleibt, in dem ein wachsender Teil der Gäste die tatsächliche Buchungsentscheidung trifft.
Häufige Fehler
- Kampagnen nur einmal pro Saison planen – ohne eine zweite, kurzfristige Welle für spät entscheidende Gäste.
- Freie Kapazitäten aus der Buchungsmaschine nicht aktiv bewerben – die Preise sind zwar in Echtzeit korrekt, kurzfristig verfügbare Zimmer werden aber nicht gezielt in Kampagnen oder auf der Startseite hervorgehoben.
- Nur auf lange Aufenthalte setzen – während die Nachfrage nach kurzen, spontanen Aufenthalten wächst.
Fazit
Die Zeiten, in denen eine einzige saisonale Kampagne pro Jahr ausreichte, sind vorbei. Gäste recherchieren heute länger, entscheiden sich aber später – und diese Verschiebung betrifft praktisch alle Reisemärkte, auch die Schweiz. Wer seine Kampagnenplanung an diese neue Realität anpasst, verpasst weniger kurzfristige Nachfrage und nutzt sein Marketingbudget gezielter. Der entscheidende Impuls: Prüfen Sie, wann Ihre Gäste tatsächlich buchen – nicht, wann Sie es gewohnt sind, zu werben.
Quellen
- Lighthouse: «Hotel booking trends 2026: Are shorter stays and last-minute searches the new normal?», 23. März 2026: https://www.mylighthouse.com/de/resources/blog/hotel-booking-trends
- Criteo: Winter 2025 Travel Pulse (zitiert in obigem Lighthouse-Report)
- Klook: Travel Pulse 2026 (zitiert in obigem Lighthouse-Report)

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